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Emorationalität oder Gefühle beim Dolmetschen

09.10.2017

Wie Zittern übersetzen?


Fühlen und Denken sind untrennbar aneinandergekoppelt. Diese Erkenntnis der Neurobiologie wollen die Translationswissenschaften stärker bei der Übersetzungsarbeit beachten – etwa wenn der Klient die Nase rümpft. 

 

Wie beeinflussen Emotionen, Lebensumstände und unterschiedliche kulturelle Umgebungen die Übersetzungsarbeit? Damit beschäftigt sich Prof. Michael Cooke am Zentrum für Translationswissenschaften: „Die Geisteswissenschaften, darunter auch die Translationswissenschaften, tendieren seit langer Zeit dazu, das Biologische ausklammern“, heißt es in der soeben publizierten Aufsatzreihe „Translation ohne Biologie – Henne ohne Ei?“, herausgegeben von Cooke, erschienen im Peter Lang Verlag.

 

Das Senken der Augen, Zittern und Naserümpfen: Diese Oberflächenerscheinungen emotionaler Prozesse sollen ebenfalls erfasst werden, meint Cooke. Ihr geht es um die Nuancen, die bei Wörtern mitschwingen. „Körpersprache ist fundamental. Wir sind Menschen aus Fleisch und Blut, und unsere Sprache kommt aus unserem Körper“, sagt sie und plädiert dafür, diese körperliche Dimension einzubinden und die „emotionale Biografie“, wie sie es nennt, in den Vordergrund zu stellen.

 

„Es geht nicht darum: Was bedeutet dieses Wort?“, erläutert Cooke, „sondern: Was will dieser Mensch sagen – und warum?“ Dafür brauche es vor allem eines: Empathie.

 

Christine Steyskal, eine von Cookes Studentinnen, hat dafür den Begriff „emorational“ geschaffen. Er unterstreicht, was die Neurobiologie in jüngster Zeit festgestellt hat: Es gibt keine Trennung zwischen kognitivem und emotionalem Areal im Gehirn. Man kann nicht nur fühlen oder nur denken; es ist immer gekoppelt. Im Idealfall geschieht also auch Übersetzung über Emorationalität.